Juli 2009
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Pleitewelle rollt an – Zahl der Insolvenzen nimmt 2009 weltweit drastisch zu

Die Insolvenzprognose des Wirtschaftsinformationsdienstes D&B Deutschland zeigt für die wichtigsten Länder Europas, die USA und Japan, dass die Pleitewelle nahezu alle Länder überrollt. Am stärksten trifft es die USA, wo D&B in diesem Jahr einen Anstieg der Insolvenzen von über 50 Prozent erwartet. In Europa dürfte die Pleitewelle mit Zuwachsraten von bis zu 40 Prozent in Spanien, Großbritannien und Polen am stärksten zuschlagen. Für Deutschland erwartet D&B 2009 einen Anstieg bei den Insolvenzen von zirka 17 Prozent.

„Die prominenten Insolvenzfälle wie Arcandor, Qimonda, Schiesser, Märklin und Rosenthal sind nur ein Vorgeschmack auf die noch bevorstehenden Insolvenzen im Herbst und Winter 2009“, erläutert Martina Neumayr, Expertin für Risikomanagement bei D&B Deutschland. „Zu den nachgelagerten Insolvenzbranchen gehören Zulieferbetriebe für den Automobilbau und den Maschinenbau sowie regional agierende klein- und mittelständische Unternehmen im Einzelhandel, Gewerbe und Handwerk. Sie profitierten lange Zeit von einem robusten privaten Konsum, der nun aber in den letzten Monaten ebenfalls zurückgegangen ist.“

Zunehmende Finanzierungsengpässe steigern Insolvenzrisiko
Vor allem stark exportabhängige Volkswirtschaften wie die deutsche spüren derzeit drastische Auftragseinbrüche. Damit stehen Unternehmen vor einem ernsten Finanzierungsproblem. Sie müssen sich mangels Cashflow und Gewinn mit Fremdkapital refinanzieren, um auslaufende Anleihen und Kredite aus der Konjunkturhochphase zu bedienen. Hierdurch wächst die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit. Genau aus dieser Gefahr heraus drücken Banken und Kapitalgeber auf die Bremse: Sie fürchten die Insolvenz bei Kredit- und Kapitalnehmern. Einige Kredite könnten hier zum Ende des Jahres noch notleidend werden. Anzahl und Höhe der Ausfälle werden auch beeinflussen, wie restriktiv die Banken in den kommenden Monaten bei der Kreditvergabe agieren.
„Es bleibt abzuwarten, wie und ob politische Weichenstellungen und Konjunkturprogramme an dieser Stelle helfen können, trotz strengerer Prüfungen der Kreditwürdigkeit auf Seiten der Banken Unternehmen ausreichend mit notwendigem Kapital zu versorgen“, so Neumayr weiter. „Das betrifft nicht nur Deutschland, sondern auch die anderen Industrienationen weltweit.“

Ausgewählte Länder im Fokus
Frankreich: Wirtschaft wird in diesem Jahr wahrscheinlich um rund 3 Prozent schrumpfen; nur geringes Wachstum im Jahr 2010, Anzahl der Unternehmensinsolvenzen steigt 2009 um 28 Prozent
Positiv: Banken in relativ gutem Zustand
Negativ: Die strukturellen Verkrustungen behindern das Wachstum auch ohne die gegenwärtige Krise (z.B. Arbeitsmarkt zu starr, verbreitete Korruption, belastete öffentlichen Finanzen)

Großbritannien: Wirtschaft wird in diesem Jahr wahrscheinlich um rund 4 Prozent schrumpfen, mit leichtem Rückgang auch 2010 bedingt durch die Immobilienblase, die hohe Verschuldung der Haushalte, und die unverhältnismäßige Abhängigkeit vom Finanzsektor, Anzahl der Unternehmensinsolvenzen steigt 2009 um 35 Prozent
Positiv: flexible Arbeitsmärkte, hochentwickeltes kommerzielles Umfeld, großes Konjunkturprogramm
Negativ: Finanzkrise nicht gelöst, Wechselkursrisiko, angeschlagene öffentliche Finanzlage, steigende Kreditrisiken, längere Zahlungsfristen

Italien: Wirtschaft wird in diesem Jahr wahrscheinlich um mehr als 5 Prozent schrumpfen, gefolgt von einem leichten Rückgang auch im Jahr 2010, insbesondere erhöhtes Kreditrisiko und schlechte politische Reaktion auf die Finanzkrise prägen das Bild in Italien, Anzahl der Unternehmensinsolvenzen steigt 2009 um 12 Prozent
Positiv: Banken in relativ gutem Zustand
Negativ: Viele interne Probleme bremsen Wachstum über die derzeitige Krise hinaus (z.B. schwache Wettbewerbsfähigkeit, niedriges Produktivitätswachstum, schwache öffentliche Finanzen, schlechte Regierungsführung, weit verbreitete politische Einmischung in die Wirtschaft)

USA: Wirtschaft wird in diesem Jahr um rund 3 Prozent schrumpfen; leichte Erholung im Jahr 2010 (stärker als in Euroland), Kreditvergabe immer noch stark beeinträchtigt, hohe Arbeitslosenquote, Automobilindustrie besonders stark betroffen, Anzahl der Unternehmensinsolvenzen steigt 2009 um 58 Prozent
Positiv: sehr großes Konjunkturprogramm, geringes Wechselkursrisiko, gutes kommerzielles Umfeld
Negativ: Finanzkrise nicht gelöst, Langzeitwachstum in Gefahr wegen wachsenden Haushaltslochs, struktureller Wandel könnte Importe auf lange Sicht einschränken



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