Februar 2009
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Autohersteller als Klumpenrisiko für Zulieferer

• Außenstände, auf Konzernebene betrachtet, sind viermal höher als      angenommen
• Transparente Unternehmensverflechtungen erleichtern Risikomanagement      und verringern Zahlungsausfälle

Laut einer internationalen D&B Analyse sind die Außenstände der Zulieferunternehmen in der Automobilbranche oft größer, als es diesen selbst bewusst ist. Über sogenannte Family Trees bildet D&B die Unternehmens¬verflechtungen der Automobilhersteller ab. Die Zulieferer erhalten so einen Überblick über Hersteller sowie deren Tochterfirmen und Niederlassungen weltweit. Offene Rechnungen können somit als Gesamtbetrag einem Konzern zugeordnet werden. „Die Außenstände eines Zulieferers, auf einen ganzen Konzern gerechnet, können schnell das Drei- bis Vierfache dessen betragen, was er bisher nur einzelnen Tochterunternehmen zuordnen konnte“, erläutert Michael Seifert, Experte für die Automobilbranche bei D&B Deutschland. Gerade vor dem Hintergrund eines möglichen Insolvenzszenarios bei General Motors sollten sich Zulieferer ein Bild davon machen, welche ihrer Kunden direkt oder indirekt zum amerikanischen Autokonzern gehören.

Allein General Motors (GM) unterhält 38 Tochtergesellschaften in Deutschland und 147 in Europa. Bei Ford sind es mit 36 zwei weniger in Deutschland: Europaweit gesehen sind es jedoch 320 und damit deutlich mehr als beim Konkurrenten GM.

Die Untersuchung des Family Tree für die Daimler AG ergab 338 Tochterunternehmen und Niederlassungen in Deutschland sowie 621 europaweit. Vor allem Niederlassungen, eigenständige Produktionsstandorte, ausgegliederte Motorsportabteilungen sowie zum Konzern gehörige weitere Automarken verlangen eine erhöhte Aufmerksamkeit bei den deutschen Automobilzulieferern. Volkswagen und BMW weisen ähnliche Strukturen auf. In Deutschland besitzen die beiden Konzerne 250 bzw. 131 Tochterunternehmen sowie 532 bzw. 282 in Europa.

Anzahl Tochterunternehmen* und Niederlassungen
 DeutschlandEuropaWeltweit
Daimler AG 338 621 1218
VW 250 532 747
BMW 131 282 370
General Motors 38 147 1065
Ford 36 320 1105
Toyota 11 103 2238
Stand: Dezember 2008 (*Die Angaben zu den Tochterunternehmen beziehen sich auf Mehrheitsbeteiligungen über 50 Prozent.)

Die oft schwer zu durchschauenden Unternehmensverflechtungen der Automobilkonzerne können bei den Zulieferern zu Klumpenrisiken führen. Bei der Annahme von Aufträgen und damit verbundenen Lieferantenkrediten bleibt ihnen oft verborgen, dass einzelne Schuldner Teile ein- und desselben Konzerns sind. Wichtig für die Zulieferer im Umgang mit den Konzernrisiken ist, die Risiken zu identifizieren und sie zu analysieren, zu bewerten und kontinuierlich zu überwachen, damit sie bei Liquiditätsproblemen rechtzeitig eingreifen können. Anhand der Verflechtungen sollten die Kredit- und Risikomanager in der Lage sein, verdeckte Klumpenrisiken zu analysieren, Konzernaußenstände zu ermitteln und daraus Gruppenlimite festzulegen bzw. bestehende Einzellimite anzupassen. „Die Krise der Automobilindustrie zeigt sehr eindrucksvoll die existenziellen Gefahren von Klumpenrisiken im Zusammenhang mit Automobilkonzernen“, erklärt Michael Seifert weiter. „Eine gute Organisation und Disposition der Kreditfunktionen vor allem bei mittelständischen Automobilzulieferern wird immer wichtiger, um die Herausforderungen der Krise zu bewältigen.“